Heinz Walter berichtet über
Auswanderer aus dem Kraichgau, die der Donau folgten
SULZFELD. Er weiß oft mehr von den Ahnen einer
Familie, als es Kinder und Enkelkinder ahnen. Heinz Walter, Heimat- und
Familienforscher, spricht in Sulzfeld über „Auswanderer aus dem Kraichgau die
Donau hinunter". 45 Besucher sind der Einladung des Arbeitskreises
Genealogie im Heimatverein Kraichgau gefolgt, junge Gesichter sind nicht
darunter. „Die heutigen Nachkommen wollen meist nichts von ihren Vorfahren wissen",
diese Erfahrung hat der Forscher und Verfasser zahlreicher Schriften gemacht.
Banater (das Banat ist eine Verwaltungseinheit im früheren Ungarn) seien
„besser erforscht als wir Einheimischen", sagt Walter. Tausende Familien
sind in den Jahren 1717 bis 1817 die Donau hinunter ausgewandert. Die Wanderung
führte bis Ungarn, Österreich, Rumänien, Serbien oder Jugoslawien: 24 Familien
aus Sulzfeld, 33 aus Eppingen, 32 aus Elsenz, sieben aus Rohrbach, vier aus
Richen, 20 aus Grombach, acht aus Kirchardt und gar 236 aus Neibsheim.
Langwierige Forschung Im Sulzfelder Totenbuch von
1728 steht „Hans Georg Oswald, Metzger, welcher vor zwölf Jahren (1716) nach
Ungarn gegangen, um allda etliche Jahre zu bleiben und etwas zu
verdienen." Nicht immer ist Ahnenforschung so einfach. Ortsnamen haben
sich geändert, Dokumente fehlen, sind unvollständig oder nicht mehr lesbar.
Arbeitskreis-Vorsitzender Klaus Rupp kennt die Probleme. „Um einen
Ahnungsforschungsfall zu lösen, sind viele Querinformationen, Telefonate,
Studien und persönliche Besuche notwendig." Immer wieder erhält er
Anfragen zu Stammbäumen.
Der Vortrag von Heinz Walter wird häufig
unterbrochen: Besucher, viele selbst Vertriebene, berichten von ihren
Erfahrungen. Wie sehr das Thema interessiert, wurde bereits 2006 bei einer
Sulzfelder Ausstellung deutlich, die mit 2200 Besuchern ein großer Erfolg war.
„Keine Landschaft hat so viele Ortssippenbücher wie der Kraichgau",
berichtet Walter. Er hofft, dass die Dokumente auch weiterhin gesammelt werden.
Bedauerlich sei es, wenn bei Todesfällen ganze Hinterlassenschaften einfach
entsorgt werden, statt diese einem Heimatverein zu übergeben. Zusammen mit dem
Heimatvereins-Vorsitzenden Bernd Röcker möchte er auch im Kraichgau ein Archiv
einrichten. Walter zieht am Ende seines Vortrags die Parallele zu heute. „Die
Integration ist früher schneller gegangen." Geheiratet hätten die
Flüchtlinge unter sich, allerdings nur in der ersten Generation. Schon seit
Mitte der 50er-Jahre 1955 seien die Vertriebenen überwiegend integriert
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